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Praxisübernahme & Praxisnachfolge – Was muss ich als Arzt wissen?

Praxisübernahme ist kein Buch mit 7 Siegeln. Sie arbeiten als Arzt in einer Klinik und haben die unregelmäßigen und wenig familienfreundlichen Arbeitszeiten satt? Sie möchten gerne Medizin nach Ihren Vorstellungen praktizieren und Ihre Arbeitsabläufe eigenständig organisieren und bestimmen? Vielleicht haben Sie auch gerade Ihren Facharzt erfolgreich abgeschlossen und denken darüber nach, welche beruflichen Perspektiven es für Sie gibt? Dann frage ich Sie nun: Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, sich als Arzt durch eine Praxisübernahme selbstständig zu machen?

Vielleicht spielen Sie aber auch schon seit Längerem mit dem Gedanken einer Praxisübernahme oder Praxisgründung. Oder haben vor Kurzem ein Angebot eines Kollegen bekommen, dessen Praxis zu übernehmen?

Egal an welchem Punkt Sie gerade stehen, wir haben in unserem Ratgeber die wichtigsten Informationen zum Thema für Sie zusammengestellt. Finden Sie im folgenden Wissenswertes und viele Tipps rund um Niederlassung, Selbstständigkeit als Arzt und worauf Sie bei der Entscheidung für eine Praxisübernahme achten sollten.

Wo stehe ich und wo will ich hin? – Bestandsaufnahme

Sie haben sich dazu entschieden, eine Praxisübernahme anzugehen. Doch noch wissen Sie nicht genau, mit welchen nächsten Schritten Sie Ihren Plan in die Tat umsetzen sollen. An diesem Punkt ist es enorm wichtig, sich selbst einmal offen und ehrlich darüber klar zu werden, welche Art von Praxis Sie denn führen möchten. Welche Erwartungen haben Sie? Kommt für Sie nur eine Einzelpraxis oder zum Beispiel auch eine Gemeinschaftspraxis oder der Einstieg in ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) in Frage?

Indem Sie Ihre Vorstellungen für sich definieren, schaffen Sie sich einen klaren Vorgehensplan. Diese Checkliste ist Ihre Basis, von der ausgehend Sie schließlich einen Meilenstein nach dem anderen auf dem Weg zu Ihrer eigenen Praxis abarbeiten und klären können. Geben Sie sich auf jeden Fall genug Zeit, Ihre einzelnen Schritte gut zu durchdenken. Das ist die beste Voraussetzung für Ihren späteren Erfolg.

Neben der Definition der eigenen Erwartungen sollten Sie sich unbedingt auch die folgenden zwei Fragen beantworten:

Welcher Standort kommt für die Praxisübernahme in Frage?

Wo möchten Sie sich mit eigener Praxis niederlassen? Möchten Sie in einer größeren Stadt praktizieren, in der städtischen Umgebung oder kommt für Sie auch eine ländliche Region in Frage? Sobald Sie einen Standort näher ins Auge gefasst haben, sollten Sie sich auf dem Markt nach frei werdenden Arztsitzen umsehen. Denn ein verfügbarer und freier Arztsitz ist die Bedingung, um überhaupt eine eigene kassenärztliche Praxis eröffnen zu können.

Auskunft über freie Arztsitze an Ihrem Wunschstandort erhalten Sie bei der dort zuständigen KV. Außerdem finden Sie über verschiedene Praxisbörsen z.B. beim Deutschen Ärzteblatt oder über Online-Praxisbörsen, wie www.mediorbis.deAusschreibungen über frei werdende Praxen. Auch wir verfügen über ein großes Netzwerk an Kontakten und helfen Ihnen gerne bei Ihrer Suche nach einer frei werdenden Praxis weiter.

Standortanalyse

Sobald Sie eine Möglichkeit zur Praxisübernahme gefunden haben, macht es Sinn, den Standort genauer unter die Lupe zu nehmen. Wie steht es um den Wettbewerb? Wie ist die Abdeckung Ihres Fachgebiets? Fälschlicherweise hält sich oft der Gedanke, dass Sie als Arzt in der Stadt wesentlich mehr Umsatz machen können. Doch die Umsatzfrage ist von vielen weiteren Faktoren wie z.B. der Auslastung an Ärzten desselben Fachgebiets, der Infrastruktur, der Bevölkerungsdichte, Wanderungsbewegungen etc. abhängig und daher relativ zu betrachten.

Eine detaillierte Standortanalyse hilft Ihnen an dieser Stelle weiter und liefert Ihnen wertvolle Informationen für Ihre spätere Kaufentscheidung. Sie dient dazu den fixen Standort der Wunschpraxis noch näher zu beleuchten. Zum Beispiel: Stellen Sie fest, dass in der Region, in der Sie einsteigen möchten, von vielen Menschen Dialekt gesprochen wird, ist es sinnvoll, Medizinische Fachangestellte (MFA)  zu beschäftigen, die diesen Dialekt auch sprechen können. Egal ob Dialekt oder auch bestimmte Fremdsprachen – fühlen Menschen sich verstanden, schaffen Sie gleich zu Beginn eine wertvolle Vertrauensbasis. Hat die Praxis, die Sie übernehmen möchten, bereits solche MFA’s, ist dies natürlich sehr positiv und erhöht den potentiellen Kaufpreis. Umgekehrt können Sie als Käufer den Preis der Praxis reduzieren, wenn es an diesen Mitarbeitern mangelt. Genau diese Art von Infos gewinnen Sie nur durch eine ausführliche Analyse des potenziellen Standorts – eine BWA offenbart Ihnen hingegen nur die wirtschaftlichen Kennzahlen.

Der richtige Standort – für Sie? und Ihre Familie?

Darüber hinaus sollten Sie bei der Wahl des möglichen Standorts nicht vergessen, dass Sie sich auch privat an diesem neuen Ort wohlfühlen und ihr Umfeld sowie die Lage langfristig mit Ihren persönlichen Bedürfnissen übereinstimmt. Themen wie Schulen für die Kinder, Kindergartenplätze etc. sollten mit in die Überlegungen eingebunden werden. Damit auch der private Rückhalt gut funktioniert und die gesamte Familie zufrieden ist. Langes pendeln muss wohl überlegt sein. Zeit, die Sie auf der Straße verbringen ist nicht produktiv und fehlt der Familie.

Welche Qualifikation bringe ich mit?

Machen Sie sich bewusst, welche Fähigkeiten, Fortbildungen oder Kenntnisse Sie für Ihren Beruf bereits erworben haben. Je besser Sie über Ihre eigene Qualifikation Bescheid wissen, desto besser können Sie das auch nach Außen kommunizieren. Ihre Patienten überzeugen Sie durch zwei Komponenten: Vertrauen und Kompetenz. Und mal ehrlich: Was ist schneller in aller Munde als ein Arzt, der sich durch fundiertes Wissen und zusätzliche Qualifikationen auszeichnet und darüber hinaus noch eine Vertrauensbasis zu seinen Patienten herstellt?

Weiterhin schafft die genaue Kenntnis Ihrer Qualifikation die Basis für die spätere Leistungsabrechnung. Seien Sie sich bewusst, dass Sie später nur Leistungen abrechnen können, für die Sie auch die entsprechende Genehmigung besitzen. Auch hier ein Beispiel: Sie haben in Ihrem früheren Klinikalltag bereits viele Ultraschalluntersuchungen durchgeführt. Die Fähigkeit und das Wissen zur Ultraschalluntersuchung haben Sie. Sofern Sie allerdings keine Bescheinigung über die hierfür notwendige Fortbildung besitzen, können Sie diese Leistung später nicht über die KV genehmigen lassen und abrechnen.

Achten Sie bei einer Praxisübernahme unbedingt darauf, dass Sie gleiche oder sogar bessere Behandlungsmöglichkeiten als ihr Vorgänger anbieten können. Der Grund dafür sind die Patienten. Sie sind meist schon seit Jahren an bestimmte Leistungen gewöhnt und sollen Ihnen nicht aufgrund eines Mangels in Ihrem Angebot verloren gehen.

Ein guter Praxisberater hilft Ihnen dabei, anhand Ihrer Qualifikationen eine grobe Hochrechnung zu erstellen, wie sich die Einnahmen der Wunschpraxis für Sie darstellen könnten. Dadurch erhalten Sie zusätzliche Sicherheit für Ihre finale Entscheidung. Gleichzeitig dient dieser Ausblick auch als Basis für den zu erstellenden Businessplan. 

Wie bestimmen sich Praxiswert und späterer Kaufpreis?

Der Gesamtpraxiswert kalkuliert sich aus einem materiellen und ideelen Wert der Arztpraxis. Ausgehend vom materiellen Wert, der unter anderem die gesamte Einrichtung, technische Ausstattung sowie alle Materialien umfasst, wird zusätzlich der ideelle Wert errechnet. Der ideele Wert stellt sozusagen das fiktive Kapital der Praxis dar. Dieses ergibt sich hauptsächlich aufgrund der vorhandenen Arzt-Patienten-Beziehungen und ist deshalb sehr schwer zu berechnen – aus dem einfachen Grund, da alle Bewertungen in die Vergangenheit gerichtet sind. Zwar gibt es eine Vielzahl von Berechnungsmethoden, die jedoch alle nur mehr oder weniger korrekt sein können, und daher keine bzw. nur geringe Aussagekraft für die künftige Entwicklung haben. Der Bundesgerichtshof hat mittlerweile in mehreren Entscheidungen die sogenannte modifizierte Ertragswertmethode als die korrekte Vorgehensweise bezeichnet. Deshalb verwenden seriöse Berater diese Methode für die Berechnung des ideelen Praxiswerts.  

Bei uns erhalten Sie als Nachfolger genau diese Sicht auf Ihre potenzielle Praxis. Nur damit können Sie selbst einschätzen, ob die Wunschpraxis tatsächlich das für Sie bereit hält, was Sie sich erwarten.

Wie bewerte ich den nachhaltigen Umsatz einer Praxis?

Der nachhaltige Umsatz stellt bei der Wertermittlung letzten Endes die Basis des späteren Kaufpreises dar. Alle Privat- und Kassenabrechnungen sowie jeder weitere Erlös zusätzlicher Tätigkeiten des vorherigen Arztes zählen hierzu. Für Sie und den späteren Erfolg Ihrer Praxis ist es sehr wichtig, den Umsatz auch weiterhin auf dem bisherigen Niveau halten oder sogar steigern zu können. In den ersten Monaten nach der Übernahme wird es zwangsläufig zu Bewegungen unter den Stammpatienten kommen. Sie gewinnen neue Patienten, da sie Interesse am neuen Arzt haben, sie verlieren andere, da sie nicht von einem jungen Arzt behandelt werden möchten. Auch solche Aspekte sollten in einem guten Businessplan berücksichtigt werden. 

Sorgen Sie daher frühzeitig dafür, den bestehenden Patientenstamm zu erhalten und gleichzeitig auch neue Patienten auf Ihre Praxis durch gutes Marketing aufmerksam zu machen. So garantieren Sie sich langfristig einen stabilen Umsatz. Hier wird das Thema „Online“ immer wichtiger. Neben einer guten Website mit Infos rund um Ihre Praxis und Online-Terminkalender kann, je nach Standort gezieltes Online-Marketing, der ausschlaggebende Unterschied zur eventuell vorhandenen Konkurrenz sein. Der Wert einer Praxis wird immer mehr auch vom eigenen Online-Auftritt beeinflusst. Praxen ohne Internetseite (ja, die gibt es noch!) sind heute bereits deutlich im Nachteil! 

Die Kosten, die bei einer Praxisübernahme auf Sie zukommen können, variieren aufgrund von vielen Faktoren stark. So ist als Beispiel die Praxis eines Allgemeinmediziners weder in Bezug auf Umsatz noch auf Ausstattung mit der eines Radiologen vergleichbar.

Wie umschiffe ich finanzielle Engpässe beim Start der Praxisübernahme?

Ein rechtzeitig und strategisch gut durchdachter Businessplan ist die halbe Miete. So setzen Sie sich schon zu Beginn mit den wirtschaftlichen Zahlen Ihres neuen Unternehmens auseinander. Sie kalkulieren beispielsweise, die Kosten der ersten sechs Monaten und planen gleichzeitig den für diesen Zeitraum bisher noch unbekannten Umsatz ein. Besonders wichtig zu wissen: Die KV-Zahlungen kommen, je nach Bundesland, zeitlich versetzt bei Ihnen an. Beispielweise ist Ihre Praxismiete für den Januar am 3.1. fällig, die KV überweist die Abschlagszahlung aber erst am 25.1. Solche Faktoren müssen im Vorfeld besprochen und geplant werden. Ansonsten drohen Ihnen unangenehme Überraschungen, die eine sowieso schon aufwändige Übernahme noch komplizierter machen und auch noch hohe Kosten verursachen können (Überziehungszins beim Praxiskonto). Denken Sie daran, zuerst dafür zu sorgen, dass Abschlagszahlungen überhaupt bezahlt werden. Am besten Sie übernehmen die Ihres Vorgängers, doch auch das müssen Sie zuvor beantragen. 

Die erste Quartalsabrechnung erhalten Sie in der Regel im 7. Monat nach Übernahme. Beispiel: Sie starten als neuer Arzt in der übernommenen Praxis zum 1. Januar des Jahres. Quartal 1 endet am 31. März. Die Abrechnung dieses Quartals bekommen Sie im Juli ausbezahlt. Auch dies sollten Sie in Ihrem Businessplan berücksichtigen und mit der finanzierenden Bank besprechen.  

Woher kommt die Liquidität?

Den Wenigsten steht für die Existenzgründung ausreichendes Eigenkapital zur Verfügung. Eine Finanzierung durch Bankmittel ist daher ganz normal. Gerne beraten wir Sie in allen Fragen rund um Finanzierung, Businessplan und Strategie und erarbeiten gemeinsam mit Ihnen ein individuell auf Ihre Bedürfnisse und Wünsche zugeschnittenes Konzept, damit Ihre Selbstständigkeit von Anfang an auf sicheren Beinen steht.

Wichtig: Eine Bank sollte als Dienstleister und Kapitalgeber in das Konzept eingebunden werden, nicht als Praxisberater! Banker sind Spezialisten in Ihrem Bereich, können Ihnen aber in den Details  bei einer Praxisübernahme wenig bis überhaupt nicht weiterhelfen. Außerdem sind sie ihrem Arbeitgeber verpflichtet, d.h., die Vermittlung zusätzlicher Produkte an ihre Kunden steht eher im Vordergrund als die Beratung. Nutzen Sie deshalb unabhängige Berater, die nur Ihnen verpflichtet sind. So können Sie viel Zeit sparen und sich mit Ihrem Berater gemeinsam mehrere Banken sowie deren Angebote ansehen und das für Sie passendste auswählen. 

Kann ich staatliche Fördermittel beantragen?

Öffentliche Förderungen müssen über Ihre Bank vor der Gründung Ihrer Praxis beantragt werden, z.B. der Kredit für Gründer der KfW. In der Regel erhalten Sie günstige Konditionen, so dass Sie über diesen Förderkredit mögliche Umbaumaßnahmen, die Investitionen für Praxisausstattung und IT-Equipment abdecken können. Für die Überbrückung der o.g. Liquiditätsengpässe gibt es ebenfalls entsprechende Förderdarlehen. 

Zusätzlich können Sie je nach Ihrer individuellen Konstellation, Fördergelder vom Arbeitsamt erhalten oder die Kosten Ihres Praxisberaters werden vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert. Dazu muss der Berater eine entsprechende Zulassung besitzen. Fragen Sie nach! Es kann sich lohnen, da hier zwischen 30-80% der Beratungskosten an Sie erstattet werden können.  

Wie bekomme ich als Arzt eine kassenärztliche Zulassung?

Voraussetzungen

Bevor Sie einen Antrag auf Zulassung beim Zulassungsausschuss stellen können, müssen Sie zunächst einmal in das Arztregister der Kassenärztlichen Vereinigung aufgenommen werden. Voraussetzungen hierfür sind neben Ihrer Approbation als Arzt natürlich Ihr erfolgreicher Abschluss einer allgemeinmedizinischen oder fachspezifischen medizinischen Weiterbildung (Facharzt). Für die Aufnahme in das Register benötigen Sie bei Antragstellung folgende Unterlagen:

  • Ihre Geburtsurkunde
  • Ihre Approbationsurkunde
  • Kopien von Urkunden Ihrer Aus- & Weiterbildungen sowie über Ihre Facharztanerkennung
  • Kopien aller Zeugnisse Ihrer bisherigen ärztlichen Tätigkeit und über bestandene Prüfungen
  • Antragsformular Ihrer KV

Zulassungsverfahren

Erst mit der Aufnahme in das Arztregister können Sie schließlich Ihre Zulassung beim örtlichen Zulassungsausschuss der KV beantragen, bzw. sich auf eine ausgeschriebene Zulassung bewerben. Das Antragsformular erhalten Sie direkt bei der KV. Zusätzliche Unterlagen, die Sie für den Antrag benötigen sind ein Auszug aus dem Arztregister, Ihren Lebenslauf sowie ein polizeiliches Führungszeugnis und auch hier Bescheinigungen über alle ärztlichen Tätigkeiten, die Sie ausgeübt haben.

Mit einer Zulassung erhalten Sie schließlich das Recht, Ihre Leistungen über die gesetzlichen Krankenkassen abzurechnen. Gleichzeitig werden Sie dadurch bei der jeweiligen Kassenärztlichen Vereinigung als Vertragsarzt und Mitglied geführt.

Die Wahl Ihres Standorts ist – wie oben bereits erwähnt – entscheidend für den Erhalt einer Kassenzulassung und somit auch für Ihre Niederlassung. Alle Regionen Deutschlands sind durch die KVs in sogenannte Planungsbereiche eingeteilt – je nach Auslastung in den einzelnen Gebieten handelt es sich um offene oder gesperrte Planungsbereiche. Sollte der Planungsbereich aufgrund einer Überversorgung gesperrt sein, bleibt Ihnen nur die Möglichkeit die Praxis eines anderen Arztes zu übernehmen oder sich zunächst auf die Warteliste bei der KV setzen zu lassen.

Im Zulassungsverfahren entscheiden klar definierte Prioritäten, wenn mehrere Kandidaten zur Wahl stehen. Tipp: Eine vorherige Anstellung garantiert fast einen Zuschlag.

Setzen Sie sich rechtzeitig mit dem Thema auseinander, so erleichtern Sie sich Ihren Einstieg in die Selbstständigkeit als Mediziner.

Worauf sollte ich bei der Praxisübernahme achten?

Sie haben eine Praxis gefunden, die Ihren Vorstellungen entspricht und würden am liebsten direkt mit der Arbeit loslegen? Damit Sie ohne unerwartete Überraschungen die Praxisnachfolge antreten können, sollten Sie unbedingt folgende Faktoren mit Ihrem Vorgänger besprechen:

Qualifikation des abgebenden Arztes

Klären Sie in einem Gespräch mit Ihrem Vorgänger, welche Qualifikationen und Behandlungsarten er anbietet. Stimmen diese mit Ihren Aus- und Fortbildungen überein? Um die Praxis erfolgreich fortführen zu können, ist es sehr wichtig, ähnliche oder auch bessere Behandlungsmethoden in Ihrem Portfolio zu haben.

Nutzen Sie darüber hinaus die Gelegenheit von den Erfahrungen des bisherigen Praxisinhabers zu profitieren. Er weiß um die Wünsche und Sorgen seiner Patienten und kann Ihnen einen guten Einblick geben. Auch Kleinigkeiten können für Ihre Nachfolge entscheidend sein. Durch die richtigen Fragen zu Beginn gewährleisten Sie später einen reibungslosen Einstieg in Ihre Selbstständigkeit.

Ausstattung, Verträge und Versicherungen

Normalerweise sind Einrichtungsgegenstände, technische und medizinische Ausstattung – kurz gesagt, das komplette Interieur – im Kaufpreis der Praxis enthalten. Nach der Praxisübernahme ist das alles ihr Eigentum. Es gibt aber immer mal wieder Dinge, die der Abgeber doch gerne mitnehmen möchte, z.B. sein KFZ. Dadurch ergibt sich möglicherweise in einem solchen Fall ein reduzierter Kaufpreis. Gleichzeitig sollten Sie diese Einsparung direkt für die demzufolge neu anzuschaffenden Gegenstände einkalkulieren.

Klären Sie außerdem frühzeitig mit dem Vermieter der Praxisräume ab, ob Sie den bestehenden Mietvertrag Ihres Vorgängers zu gleichen Konditionen auf sich weiterlaufen lassen können. Sie haben darauf normalerweise keinen Anspruch. Umso wichtiger ist es daher, rechtzeitig mögliche Vertragsänderungen mit dem Vermieter durchzusprechen. Für ausführlichere Informationen zur Mietvertragsübertragung ziehen Sie am besten einen Anwalt hinzu.

Erkundigen Sie sich bei Ihrem Vorgänger, welche weiteren Verträge möglicherweise von Ihnen übernommen werden können. In der Regel ist dies einfacher, als komplett neue Verträge abzuschließen. Interessant ist hier insbesondere der Telefonvertrag oder zumindest der Aspekt, die aktuelle Rufnummer beizubehalten. Damit ermöglichen Sie allen Kontakten, Sie unter der gleichen Verbindung erreichen zu können.

Weitere Verträge, die Sie übernehmen könnten, sind u.a.: Verträge mit Lieferanten, Leasingverträge für medizinische Ausstattungsgeräte, Telefon- und Internetvertrag etc. Achten Sie darauf, alle Verträge, die über die Praxis laufen, auch im Praxisübernahmevertrag festzuhalten.

Hat der bisherige Praxisinhaber Versicherungen (z.B. Berufshaftpflicht-, Praxisinventar- oder Praxisausfallversicherung etc.) abgeschlossen, die auf Sie umgeschrieben werden könnten? Achtung! Hier sollten Sie genauer hinschauen, denn möglicherweise könnten Sie beim Abschluss neuer Versicherungen wesentlich bessere Konditionen erhalten.

Personal

Sobald feststeht, dass die Praxisübernahme fix ist, stellen Sie sich den bisherigen Mitarbeitern vor. Damit schaffen Sie für sich einen guten Einstieg und legen den Grundstein für die zukünftige gute Zusammenarbeit. Sprechen Sie auch hier mit dem bisherigen Inhaber, damit Sie sich ein Bild von Ihren „neuen“ Angestellten machen können. Die Weiterbeschäftigung der Mitarbeiter ist per Gesetz gesichert und Sie treten in alle Rechte und Pflichten der bestehenden Arbeitsverhältnisse ein. Es besteht im Fall der Praxisübernahme eine Beschäftigungsgarantie von 12 Monaten für die übernommenen Mitarbeiter. Es sei denn, der Mitarbeiter stimmt explizit einer Kündigung zu. 

Das Personal der Praxis ist ein nicht zu unterschätzender Schlüsselfaktor! Sie kennen die Patienten, die Abläufe etc. bis ins Detail. Hören Sie auf die erfahrenen Mitarbeiter und sprechen Sie organisatorische Veränderungen im Vorfeld auch mit ihnen ab. Betroffene zu Beteiligten machen, das ist die Devise – gerne helfen wir Ihnen hier bei der Vorbereitung und Durchführung. 

Patienten

Klären Sie mit dem Praxisverkäufer, wann und ob Sie gemeinsam über den Arztwechsel informieren möchten. Eine gemeinsame Vorstellung oder sogar ein organisiertes Kennenlernen, hinterlässt bei Ihren neuen Patienten direkt einen sympathischen Eindruck und bietet Ihrem Vorgänger die Gelegenheit sich vor seinem Ausstieg bei diesen zu bedanken.

Denken Sie daran: Bevor Sie den Patientenstamm Ihres Vorgängers übernehmen können, müssen die Patienten Ihre eine schriftliche Einverständniserklärung abgeben. Erst dann dürfen Sie auf deren Akten zugreifen. Anderenfalls ist der bisherige Praxisinhaber an seine ärztliche Schweigepflicht gebunden und darf Ihnen die Patientenakten nicht übergeben. Besprechen Sie mit Ihrem Vorgänger, ob Sie die Einwilligungen bereits einholen können, während er noch als Praxisinhaber vor Ort ist.

Der Patientenstamm fließt in die Ermittlung des Praxiswerts ein und bestimmt daher den Verkaufspreis mit. Man kalkuliert immer einen materiellen und einen ideellen Wert der Praxis, so dass die aktuelle Zahl der Patienten für die Bewertung des ideellen Praxiswerts hinzugezogen wird.

Eine vorherige Mitarbeit in der Praxis des Abgebers ist immer eine wünschenswerte Konstellation. Zum Einen haben Sie beim Zulassungsausschuss bessere Chancen bei der Vergabe des KV-Sitzes, zum Anderen lernen Sie die Abläufe der Praxis direkt kennen und können eventuell notwendige Änderungen bereits gemeinsam planen. Positiver Nebeneffekt – das Thema Datenschutzeinwilligung ist damit auch erledigt!

Praxismarketing

Wie steht die aktuelle Praxis in diesem Bereich da? Gibt es eine Homepage? Wird diese auch gefunden? Viele Fragen, die aber gerade in der digitalisierten Welt immer mehr an Bedeutung gewinnen. Kümmern Sie sich frühzeitig um Ihr Praxismarketing. Durch eine strategisch durchdachte Unternehmenskommunikation machen Sie den Inhaberwechsel bereits vor Ihrer Praxiseröffnung oder Praxisübernahme bekannt. Damit stellen Sie sicher, dass neue Kontakte schon einige Wochen vor Ihrem ersten Tag in der Praxis auf Sie aufmerksam werden. Die bisherigen Patienten sollen neugierig auf Ihre Person und mögliche Neuerungen werden. So starten Sie bei guter Planung voll ausgelastet in Ihre erste Zeit als selbstständiger Mediziner. Sollte Patientenzuwachs ein Aspekt für Sie sein, empfiehlt es sich, ein professionelles online Marketing mit einzubauen. Weiterführende Informationen finden sie u.a. hier: https://mediorbis.de/category/praxismarketing/

Ihr Vorgänger

Haben Sie schon darüber nachgedacht, Ihrem Praxisvorgänger anzubieten, für eine Übergangsphase in der Praxis zu bleiben? Vielleicht möchte er gerne noch für einen bestimmten Zeitraum in Teilzeit weiter mitarbeiten? So haben Sie gerade zu Beginn einen erfahrenen Kollegen an Ihrer Seite, der Ihnen insbesondere bei Unklarkeiten oder Problemen mit Patienten oder Mitarbeitern beratend zur Verfügung steht. Eine Mitarbeit des Abgebers ist für Sie Gold wert. Die Fluktuation von Patienten verringert sich signifikant – das erhöht sicherlich den Kaufpreis, allerdings bringt Ihnen eine geringere Fluktuation deutliche Mehreinnahmen.

Bei dem Kauf einer Praxis gilt nicht der Spruch „Im Einkauf liegt der Gewinn“ – der gilt beim Discounter. Sie investieren in vorhandene Arzt-Patienten Beziehungen. Der Kaufpreis spiegelt somit u.a. den zukünftigen Wert der vorhandenen Beziehungen wider. Aus diesem Grund ist es oft besser, etwas mehr zu bezahlen und sich z.B. die Mitarbeit des Vorgängers zu sichern, als den Preis auf ein Wunsch-Minimum zu drücken. 

Welche Eigenschaften sollte ich mir vor der Praxisnachfolge noch aneignen?

Betriebswirtschaftliche Grundlagen

Egal ob Praxisgründung oder Praxisübernahme, Sie haben ab dem Zeitpunkt Ihrer Praxiseröffnung ein eigenes Unternehmen, das betriebswirtschaftlich zu führen ist. Sie sind für Ihre Buchhaltung verantwortlich. Umsätze und Kosten müssen geplant und überprüft werden. Sie haben monatliche Einnahmen und Ausgaben, die Sie selbst, ein Mitarbeiter oder Ihr Steuerberater dokumentieren müssen. Nicht zu vergessen, Rücklagen für künftige Neuanschaffungen und vor allem für die Steuerzahlungen zu bilden. Die privaten Finanzen sind ganz klar vom Praxisunternehmen zu trennen. Aus diesem Grund sollten Sie sich zumindest grundlegendes betriebswirtschschaftliches und kaufmännisches Fachwissen aneignen, um die finanziellen Abläufe Ihrer Praxis zu verstehen und überblicken zu können, selbst wenn Sie sich professionelle Hilfe ins Boot holen.

Ein Berater kann Sie begleiten, Ihnen die Wege zeigen, Sie auf Stolpersteine hinweisen. Doch die Entscheidungen treffen letzten Endes Sie alleine.

Strategie

Darüber hinaus hilft es Ihnen, sich vorab ein gewisses Gespür für unternehmerische Strategie anzueignen. Wer mit Strategie und Können seine Arztpraxis aufbaut und einen Sinn für Marketing mitbringt, wird langfristig eine erfolgreiche Praxis führen. Informieren Sie sich daher regelmäßig, wie Sie Ihr Leistungsspektrum ausbauen könnten. Welche Produkte und Preise angemessen sind. Wie Sie Ihr Wartezimmer freundlicher und Ihre Website up-to-date halten können. Wenn Sie nicht mit dem Strom der Durchschnittspraxen schwimmen, sondern auf Individualität und Besonderheiten setzen, werden Sie zufriedene Patienten und auch Mitarbeiter haben. Qualität in der Behandlung zahlt sich genauso aus, wie soziale Kompetenzen.

Personalwesen

Des Weiteren ist es sinnvoll, sich im Bereich des Personalmanagements weiterzubilden. Denn das Herzstück einer guten Praxis ist ein Team aus motivierten Mitarbeitern. In der heutigen Zeit ist es wichtig, dass der Chef sich zu seinem Personal auf Augenhöhe bewegt, Sie in Ihrer Entwicklung unterstützt und klar kommuniziert. Kenntnisse im Bereich Kommunikation und Konfliktmanagement sind hier empfehlenswert.

Nutzen Sie gerade die Übergangsphase zwischen Anstellung und Selbständigkeit für Fortbildungen in den o.g. Bereichen. Informieren Sie sich in dieser Zeit zu Themen rund um Ihre Existenzgründung. Praxisübernahme / Praxisnachfolge

Hinweis: Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) fördert alle in Rechnung gestellten Beratungskosten für Praxisneugründungen sowie Praxisabgaben zu 50-80 %. Der Förderbetrag variiert abhängig vom jeweiligen Bundesland. Für weitere Fragen kontaktieren Sie mich gerne. 

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